Ofield log homes | Irre Ansichten
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Irre Ansichten

Ein Wort, das häufig in Zusammenhang mit Naturstammhäusern fällt ist ‘urig’. Die ersten Unterkünfte der Menschen waren dunkle Höhlen. Darauf folgten Menschen mit einem gewissen Erfindungsgeist und Stil, die Häuser aus Holz bauten!

Auf der Suche nach dem idealen Material – ‘einem für alles’ – werden wir wohl kaum ein besseres Material finden als Holz: Wir bauen das Bett in dem wir schlafen, den Stuhl auf dem wir sitzen und den Tisch an dem wir essen, aus Holz. Vor einem Holzfeuer halten wir uns bei Winterkälte warm. Über einer Holzflamme haben wir gekocht. Werkzeuge, Möbel, Fenster, alles wird aus Holz gebaut. Für das Fass und den Wagen, die Tür und die Zarge wurde und wird heute noch nach Holz gefragt. Und im Blockhaus können sowohl die statischen als auch die dämmenden Anforderungen mit Holz erfüllt werden. Und das Ganze mit einer solchen Behaglichkeit, das genau dieses urige, menschliche Wohlbefinden eintritt.

Wird der Stamm als solcher genommen, um eine Unterkunft zu bauen, entsteht ein Naturstammhaus. Derjenige, der mit Natur belassenen Stämmen arbeitet, stellt schnell fest, dass jeder Baum ein Unikat ist und jeder Baumstamm somit individuell bearbeitet werden muss. Aus dem unregelmäßig gekrümmten, kegelförmig gewachsenen Baum ein Haus zu gestalten, gehört zu den anspruchsvollsten Zimmererhandwerksarbeiten.

Wer zunächst vor einem Polder Stämme steht und daraus fugenlose Wände bauen soll, wähnt sich schnell vor dem Unmöglichen. Kein Wunder, dass die Uniformierung des Stamms zu einem Kantholz schon so lang betrieben wird, dass ein jeder es mittlerweile für gang und gäbe hält. Wer bitte schön, denkt heute noch an Stämme, wenn er von Bauholz redet? Die Sehnsucht nach der Urform des Holzes bleibt.

Der Reiz eines Naturstammhauses rührt von der unverkennbaren Bindung zu unseren Wurzeln. Wir müssen nicht lange unsere überregulierte Gesellschaft erleben, um die Sehnsucht nach dem Einfachen zu spüren. Wasser aus der Dose, Licht aus Strom, Essen aus dem Gefrierschrank, Handy als Kontaktersatz, Stunden um Stunden verbraucht in Autobahnstaus – wer hat dabei nicht den Wunsch nach der Blockhütte im Wald? Feuer aus selbst gespaltenem Holz, See und Wald um sich, in jedem Akt eine direkte Verbindung zu sich selbst.

Wer ein Naturstammhaus will, denkt an Wald, vielleicht Kanada und an die Wildnis; und außerdem daran, dass das Ding ‘irre’ aussieht. Wer diese Sehnsucht nach dem Naturstammhaus verwirklichen möchte, fährt in der Regel nicht in die Wildnis. Für den ‘Normalverbraucher’ muss es genügen, sich wenigstens hierzulande ein Zuhause aus Stämmen zu bauen. Und hier darf der Bauherr an den einen oder anderen Grundsatz denken.

Setzung

Wer sich auch nur geringfügig mit Blockhäusern beschäftigt, hat schon mal das Wort ‘Setzung’ gehört. Wer bereits das Setzen eines Vierkant-Blockhauses kennt, darf beim Naturstammhaus an die doppelte oder dreifache Setzung denken. Dass sich eine Decke um 20cm senken mag, kann sich so mancher im frisch aufgestellten Haus kaum vorstellen, verdrängt es und glaubt einfach nicht dran. Die Setzung ist aber keine Glaubenssache. Wer an die Setzung im Naturstammhaus nicht glauben mag, wird spätestens beim Nachsägen der Einbaumöbel missioniert.

Licht

Wände und Decken aus massiven Baumstämmen wirken nicht gerade leicht. Und die Holzoberfläche bei Blockhäusern ist bedeutend stärker Licht absorbierend als bei den weiß tapezierten Stein auf Stein-Vettern. Hier handelt es sich nicht um eine Ansichts-, sondern Tatsache. Zu viele Stämme machen zu dunkel. Hier ist der richtige Mittelweg zu finden, in dem eine helle Gemütlichkeit erreicht ist. Die richtige Lösung muss von Fall zu Fall ausgelotet werden. Es gibt keine Formel.

Raum

Licht allein ist nicht genug, um in einem Naturstammhaus eine zeitgemäße Atmosphäre zu schaffen. Werden die Räume zu klein geplant, können selbst gut belichtete Stammwände wie die Zwingen eines Schraubstocks wirken. Ein Haus als solches ist nur die Umrandung. Es sind die Bewohner mit ihrem Lebensstil und ihren Habseligkeiten, die das Ganze in ein Zuhause verwandeln. Offene Verkehrswege geben bspw. einem Haus Raumgefühl. Ein geräumiger Empfang, eine weitläufige Treppe und große Durchgänge sind viel wichtiger als eine verlorene Couch im endlosen Wohnzimmer. Luftige Decken und der maßvolle Einsatz von Wänden kommen dieser Bauweise sehr entgegen.

Kontrast

Die urige Schönheit der Blockwände kommt durch einen neutralen Gegenpol am besten zur Geltung. Dies kann eine hell und ruhig gehaltene Lehmwand sein. Oft wirken die Stämme schöner, wenn es weniger sind! Muss ein Naturstammhaus unbedingt eine Treppe, Theke, Torbogen, Briefkasten, Geländer, Bett, Tisch und Stühle aus Stämmen haben? Diese Frage sollte sich der Bauherr zweimal durch den Kopf gehen lassen. Wäre nicht der gezielte Einsatz von Naturstein, Metall oder poliertem Beton gegebenenfalls von Vorteil? Hierfür gibt es wieder keine Patentantwort und zum Glück sind die Geschmäcker verschieden.

Handwerk

Handfertigung kostet Geld, und in 99% der Fälle kostet sie mehr als eine Maschinenfertigung. Die Folge ist, dass beispielsweise ein ungeschickt platzierter Erker den Aufwand für manche Gewerke des Hauses verdoppeln kann. Deshalb sind wir nicht gleich an ein simples Rechteckhaus gebunden. Nur das ‘Draufloszeichnen’, ohne den Aufwand der Handfertigung zu respektieren, kann schnell 20% Mehrkosten verursachen. Eine Verdoppelung der Rohbaukosten ist auch keine Kunst.

Zaubern kann keiner und jedes Handwerk hat seinen Preis. Nur ist gerade bei Naturstammhäusern ein Quadratmeter nicht gleich ein Quadratmeter. Deshalb sind besonders Kreativität und wirtschaftliches Design gefragt. Vergessen darf man nicht, dass ein günstiger Rohbau nur rund die Hälfte der Baukosten ausmacht. Eine Reduzierung der Rohbaukosten, nur um den Hauspreis für den Bauherrn ‘schmackhaft’ zu machen, ist nicht immer der ehrliche Weg. In manchen Fällen ist es sogar sinnvoll, das Rohbaugewerk teurer zu wählen, damit spätere ‘unsichtbare’ Ausbau-Mehrkosten eingespart werden. Der Gesamtpreis zählt.

Beim Naturstammbau liegen Meilen zwischen Mythos und Wahrheit. Wer sich informiert, ist danach oft irritierter als vorher. Die schönste Wahrheit ist, dass das Naturstammhaus von Menschen in echter Handarbeit gebaut wird. In unserer heutigen Kultur wird Handarbeit immer seltener und die Naturstammbauweise behauptet sich stolz und trotzig gegenüber der Massenfertigung.